15. Januar 2011

Tutorial: Bead Embroidery / Perlensticken Teil 1

Auf mehrfachen Wunsch versuche ich euch hier mal meine Methode des Bead Embroidery zu erklären. Damit sind diese Blume  und der Steampunkflügel entstanden.

Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten, aber ich halte meine Methode für sehr effektiv und würde ich alles erläutern wollen, müsste ich ein Buch schreiben. Wenn ihr Fragen habt, irgendwas nicht versteht oder so.. fragt einfach.


Material:
Kunstleder als Grundlage - ich habe bis jetzt immer ein mittelstabiles Kunstleder verwendet. Es verzieht sich nicht, bildet eine schöne Oberfläche, franst nicht aus und ist inklusive Rückseite und vollständig mit Perlen bestickt selbst bei dem 10 cm langen Flügel noch so steif, dass es sich kaum bis gar nicht verformt. Andere Materialien mit ähnlicher Beschaffenheit funktionieren natürlich auch. Filz zum Beispiel. Da sollte man aber dann eventuell mit Pappe versteifen.
Perlen - Perlen gibt es nicht nur als Rocailles, die man aus Bastelläden kennt. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen und Ausführungen. Besonders gleichmäßig sind die Delica von Miyuki. Mit unterschiedlichen Größen und Formen, kann man entsprechend unterschiedliche Strukturen erzeugen, wärend ihr bei gleichgroßen Rocailles einfach eine ebene Fläche erhalten werdet.
Perlnadel - Mit einer normalen Nähnadel kommt man mit etwas Glück durch die großen Rocailles, bei den kleinen wird es dann doch kritisch. Perlnadeln gibt es sogar in der Handarbeitsabteilung vom Kaufhof.
Nymo -  Nymo oder OneG ist ein sehr dünnes und reißfestes Nylongarn. Es ist so dünn wie Nähgarn, aber wesentlich stabiler. Ihr könnt es mit normalem Nähgarn versuchen, allerdings ist die Gefahr recht hoch, dass etwas daneben geht. Das Garn bekommt ihr für 2,50€ beispielsweise hier oder auch bei vbs-hobby. Die Spulen haben die Größe von Unterfadenspulen. Ihr kommt damit aber sehr lange hin.
Papier, Stift, Folienstift, Folie, Kleber, Ideen - Hat man wahrscheinlich eh zuhause. Als Folie kann man auch einfach einen Gefrierbeutel nehmen und falls die Ideen fehlen, eignen sich auch Stencilmotive sehr gut.
Cabochons, Strasssteine etc - Als grundlegendes Element oder um die Flächen aufzulockern. Optional..

Das Motiv:
Zunächst zeichnet ihr das gewünschte Motiv auf Papier und korrigiert bis es euch gefällt. Das muss nicht sauber sein, aber die Größe muss passen. Anschließend paust ihr es sauber auf Folie ab und schneidet es so aus, dass ihr es einfach auf die Unterlage kopieren könnt. Natürlich könnt ihr auch das Papier direkt ausschneiden. Die Folienmotive sind jedoch haltbarer und können öfter verwendet werden.

Ich übertrage die Motive gerne mit einem hellen Kajal auf das schwarze Kunstleder. Der Kajal malt auf dem Leder perfekt und lässt sich später rückstandslos entfernen. Ist das Motiv übertragen, schneidet ihr das Leder grob aus. Nicht zu sehr am Rand, sondern einfach so, dass ihr es gut in der Hand halten könnt. Elmo zeigt wie es dann aussieht:





Ich mag es die Grundlinien als erstes zu besticken. Dann muss ich mir keine Sorgen mehr machen, dass die aufgezeichneten Linien verwischen. Ihr schneidet ein Stück Nylongarn ab und fädelt es in eure Perlnadel. Der Faden sollte so lang sein, dass ihr damit bequem sticken könnt ohne alle paar Minuten neu ansetzen zu müssen, aber auch nicht so lang, dass eure Armlänge nicht reicht um ihn vollständig anzuziehen.
Ihr stecht nun von unten in das Kunstleder, so dass die Nadel direkt auf eine der Linien trifft und geht ein paar mal hin und zurück um den Faden zu sichern.
Nun kommt das Grundlegende Element des Bead Embroidery / Perlensticken. Der Rückstich: Nehmt ein paar Perlen auf (Auf meinem Bild sind es 3), schiebt sie bis zum Leder, legt sie auf die Linie und stecht genau hinter der letzten Perle wieder ein. (Bild 1). Dann geht ihr auf der Rückseite um zwei Perlen zurück und versucht genau zwischen der 1. und 2. Perle wieder zur Vorderseite durchzustechen(Bild 2) und führt den Faden danach durch die 2. und 3. Perle. (Bild 3)


Den Rest des Umrisses macht ihr genauso, nehmt 3 oder 4 Perlen auf, geht auf der Rückseite zwei Perlen zurück und dann auf der Vorderseite durch die zwei Perlen bis zum Ende. So bildet ihr dann die kompletten Konturen. Sollte der Faden zuende gehen, vernäht ihn ein wenig auf der Rückseite und setzt einfach neu an. Dabei geht ihr am besten mit dem Faden durch die letzten Perlen. Das lässt die Reihe sauberer wirken, als einfach so neu zu beginnen.
Achtung: Wenn ihr an einer Stelle weiter sticken müsst die ein paar cm von eurer letzten Perle entfernt liegt, führt den Faden einfach an der Unterseite mit groben Stichen bis zu entsprechender Stelle. Das muss nicht schön aussehen, weil die Unterseite sowieso am Ende verdeckt wird. Aber achtet unbedingt darauf den Faden nicht außerhalb des Motivs zu führen. Sonst kann es passieren, dass ihr ihn versehentlich zerschneidet und sich die Perlen lösen.

Anschließend könnt ihr die Flächen füllen. Dazu arbeitet ihr sie mit der gleichen Methode aus, wie ihr die Konturen gemacht habt, also mit Rückstich. Um etwas "Spannung" ins Motiv zu bringen, könnt ihr verschiedene Lauflinien erzeugen. Bestimmte Bereiche bestickt ihr dann horitzontal, andere vertikal und bei wieder anderen stickt ihr Kurven. Zusätzlich könnt ihr mit verschiedenen Perlen Effekte erzielen, je nach Oberfläche und Größe.

Teil 2 coming soon (Rückseite, Rand, Cabochons einfassen)

Kommentare:

  1. Das hast du gut erklärt! Wunderbar!

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  2. Toll das du dir die mühe gemacht hast das zu erklären, war sehr interessant zu lesen. ^-^

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